Magst du auch lieber hören als selbst lesen?

Hier lese ich dir diesen Artikel vor!

Immer wieder erlebe ich in der Praxis, dass es zum Thema Potenzen in der Homöopathie noch offene Fragen, Unklarheit oder sogar Unsicherheit gibt. Deshalb möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, dich ein bisschen mit Fachwissen und Hintergründen zu versorgen, worum es hierbei überhaupt geht. Gleichzeitig möchte ich dir meine ganz persönliche Haltung zu diesem Thema aufschreiben.

 

Die Diskussion um die Potenz

Leider ist es so, dass das Thema Potenzen vor allem unter den Homöopathen verschiedener Schulen ein ganz heißes Eisen ist. Für mich geht es dabei aber nicht um RICHTIG oder FALSCH. Ich möchte mit dem, was ich auf meinen Seiten über Homöopathie und ihre Anwendung schreibe, keinen „Glaubenskrieg“ mit anders denkenden und behandelnden Homöopathen führen. Genauso wenig möchte ich bewerten, kritisieren oder verurteilen, was es an anderen Auffassungen zu diesem Thema gibt. Für mich dürfen all die unterschiedlichen Arten der Anwendung, genau wie die unterschiedlichen Auffassungen, was die Potenz-Auswahl oder Dosierung betrifft, nebeneinander existieren. Stattdessen wünsche ich mir, dass ich dich mit Informationen unterstützen und vielleicht sogar ein kleines bisschen dazu beitragen kann, dem Thema etwas von der Unsicherheit zu nehmen, die damit verbunden ist.

Deshalb möchte ich also heute meine Wirklichkeit, mein Wissen und meine Erfahrung mit dir teilen. Was du von dem, was ich hier schreibe, für dich als stimmig empfindest und wo du vielleicht vom Bauchgefühl her mehr zu einer anderen Richtung tendierst, das entscheidest du für dich! Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich hier einiges für den (noch) Nicht-Profi-Homöopathen ein wenig nachvollziehbarer machen kann! 🙂

So, jetzt aber zum eigentlichen Thema…

 

Potenz – was ist das überhaupt?

Das lateinische Wort „Potentia“ bedeutet übersetzt Macht, Kraft, Vermögen, Fähigkeit. In der Homöopathie sagt der Begriff „Potenz“ nicht nur etwas über die Herstellungsweise eines Mittels aus, sondern auch über dessen Wirkungskraft bzw. Wirkungsweise. Wir unterscheiden in der Homöopathie zwischen D, C und LM Potenzen. Das sind zumindest die drei Arten, die ich in der Praxis hauptsächlich einsetze und dir deshalb hier etwas näher erklären möchte. Außerdem gibt es aber auch noch Q, K und FC Potenzen. Wer sich dafür auch noch interessiert, könnte das als Zeichen werten, selbst eine Karriere als Homöopath anzustreben. 🙂 Oder aber du liest einfach im Internet z. B. bei www.remedia.at (für Schnellleser) oder im Organon Hahnemanns (für die ganz Geduldigen) nach.

Für die Herstellung von homöopathischen Mitteln werden Substanzen aus unterschiedlichen Bereichen verwendet, also aus dem Pflanzen-, Mineralien-, Tier- und Menschenreich. Der Name des Mittels verrät dessen Ursprung. Zum Beispiel „Aurum“, das Gold. Oder „Sulphur“, der Schwefel usw. Was dann hinter dem Namen steht, also z. B. „Sulphur“ D 12, oder „Aurum“ C 200 ist die Potenz. Wie funktioniert das nun mit der „Potenzierung“?

Ausgehend von der Grundsubstanz (Urtinktur bzw. Verreibung bei unlöslichen Stoffen) werden homöopathische Arzneien „potenziert“, und zwar indem sie immer wieder entweder mit Wasser oder Alkohol vermischt und dann verschüttelt, oder aber mit Zucker verrieben werden. Dabei folgt man einem genauen System. Entsprechend des Mischungsverhältnisses der Teile wird dann unterschieden zwischen:

 

  • D-Potenzen (Verhältnis 1:10)
  • C-Potenzen (Verhältnis 1:100)
  • M-Potenzen (Verhältnis 1:1000)
    (-> M = C1.000, XM = C10.000, LM = C50.000, CM = C100.000, DM = C500.000, MM = C1.000.000)
  • und LM-Potenzen (Verhältnis 1:50.000)
    (entspricht aber nicht der oben genannten C50.000!)

 

Im Klartext und am Beispiel einer D 6 Potenz erklärt heißt das: Es wird 1 Teil der Arzneisubstanz mit 10 Teilen der Trägersubstanz (also Alkohol, Wasser oder Zucker) vermischt und verschüttelt/verrieben. Dadurch erhält man eine D 1. Für den nächsten Potenzierungsschritt gilt dann genau dasselbe, nämlich 1 Teil der neu erstellen D 1 und 10 Teile der Trägersubstanz werden miteinander verschüttelt/verrieben und schon haben wir die D 2. Für die D 6 wird der Vorgang also 6 mal durchgeführt. Entsprechend wird mit allen anderen Potenzen auch verfahren.

Potenzierung wird also erreicht durch Verdünnung PLUS Verschütteln bzw. Verreiben, wodurch nämlich Energie zugeführt wird. Dabei wird die „Information“ des Mittels an den Trägerstoff abgegeben und mit jedem Potenzschritt erhöht. Obwohl also die eigentliche Arzneisubstanz abnimmt (und zwar so weit, dass kein einziges Molekül der Ursprungssubstanz mehr in dem Mittel enthalten ist!) bleibt die Information des Arzneimittels enthalten bzw. wird sogar verstärkt, deshalb heißt es „Potenzierung“ und nicht Verdünnung. 🙂 Wir merken uns also: Je höher die Potenz, desto klarer die Information!

Aber genug von der Technik…. du willst die Mittel ja einnehmen und nicht selber herstellen. 😉 Deshalb jetzt mal was zur Anwendung…

 

Welche Potenz nimmt man wofür?

Das Wichtigste zuerst… Für mich gilt:

 

Mittelwahl vor Potenzwahl!

 

Von Anfang an war das einer der wertvollsten Leitsätze für mich! Homöopathie muss ja schließlich nicht kompliziert sein. 🙂

Tatsächlich gibt es aber für mich ein Schema, nach dem ich Potenzen verordne. Hierbei unterscheide ich grob gesagt zwischen niedrigen bzw. Tiefpotenzen, mittleren, höheren und Hochpotenzen. Und darüber hinaus spielt es für mich auch eine Rolle, ob es um etwas Akutes, etwas Chronisches oder etwas Systemisches geht.

Vereinfacht sieht das dann in etwa so aus:

 

Niedrige Potenzen:
Urtinktur bis zur Potenz D/C 30 oder
LM 1 bis LM 12
– Akute Behandlungen
– Aufbau für geschädigte/geschwächte körperliche Strukturen
– Entgiftung, Immunstärkung etc.
 organotrop, körperbezogen, symptombezogen

 

Mittlere Potenzen:
C 200 bis C 1.000 oder
LM 18 bis LM 60
– Akute Behandlungen
– Chronische Behandlungen
hier werden auch schon die seelischen Strukturen und die Psyche berührt und damit auch das Thema bzw. der Grund, WARUM ein Wesen gerade jetzt diese Symptome hat

 

Höhere und Hochpotenzen:
über C 10.000 (= XM) bis hin zur C 1.000.000 (= MM) oder
LM 90 bis LM 360
– Systemische, übergeordnete, kollektive Themen oder „Lebensthemen“
 wirken spürbar auf der seelisch/psychischen Ebene
hier werden systemische Bindungen/Verstrickungen, Glaubenssätze, Prägungen, Persönlichkeitsmuster usw. berührt… eben das was uns behindert oder auch verhindert, dass Heilung stattfinden darf
ergänzend zu Aufstellungen und anderen Entwicklungsschritten unserer Seele helfen sie, dadurch, dass sie sehr tiefgreifend wirken. Sie lösen und verwandeln die Grundlagen und Zusammenhänge die zu dem führen, was wir jetzt erleben (Symptome, Gefühle, Blockierungen, Mangel, Ohnmacht usw….)

 

Ich weiß, dass viele Homöopathen regelrecht Angst vor höheren Potenzen verbreiten. Ich weiß aber auch, dass die Menschen, die sich zu mir bzw. in meine Praxis gezogen fühlen damit entweder kein Thema (mehr) haben, oder aber ihre Seele sich dieser Angst gerne stellen und sie auflösen möchte. Und genau diesen Weg liebe ich, mit meinen Patienten gemeinsam zu gehen. 😉

 

Was heißt das nun für meine Verordnungen?

Ich verordne eine bestimmte Potenz also nie vollkommen willkürlich. Natürlich fließt da das oben in aller Kürze skizzierte Schema mit ein. Das heißt, ich schaue, in welcher Ebene die Ätiologie (= der zugrunde liegende ursächliche Zusammenhang) also sozusagen die Krankheitsherkunft, zu suchen ist. In den meisten Fällen nutze ich zusätzlich dann auch noch ein Testverfahren, um die jetzt für den Patienten passende Potenz festzulegen. Doch die Ausrichtung meiner Praxistätigkeit, d. h. die überwiegend systemische, prozessorientierte und miasmatische Herangehensweise an ein Thema oder eine Erkrankung, führt dementsprechend dazu, dass ich gerne und oft mit höheren und hohen Potenzen arbeite. Dabei laufen dann eventuell auch mal Tiefpotenzen parallel.

Aber trotz allem gilt für mich auch heute immer noch: Wichtig ist das richtige Mittel. Wenn ein Patient zwar das passende Mittel, aber nicht die von mir ausgewählte Potenz davon zur Verfügung hat, dann kann er im akuten Fall das Mittel selbstverständlich trotzdem nehmen!

 

Das Wort zum Schluss…

Was du soeben gelesen hast entspricht dem, was ich von meinen Lehrern gelernt und an mir, meiner Familie und meinen Tieren seit über acht Jahren ausprobiert und erlebt habe.

Mir ist es wichtig, damit transparent und offen umzugehen, denn ich freue mich, wenn ich meinen Patienten was dieses Thema angeht Vertrauen und Sicherheit schenken kann. Ich weiß natürlich, dass das nicht alle Homöopathen so sehen. Oftmals könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass Patienten absichtlich in der Unmündigkeit gehalten werden sollen, wenn z. B. nicht einmal die Mittelnamen oder die Potenz genannt werden. Nicht selten höre ich auch, dass ein bisheriger Homöopath nie wirklich bereit war, sich auf ein Gespräch über das WARUM einer bestimmten Mittelverordnung etc. einzulassen. Ich denke, das muss jeder für sich entscheiden, womit er sich am wohlsten fühlt. Ich selbst hatte das Glück, dass meine Homöopathin und Lehrerin, Angelika Hutmacher, vom ersten Tag an mit mir immer offen, ehrlich und mit ganz viel Freiheit umgegangen ist. Das hat nicht nur mein Vertrauen in sie und in die Homöopathie gestärkt, sondern auch in mich selbst. Und genau dieses Geschenk möchte ich meinen Patienten auch gerne machen!

Das waren jetzt wieder eher viele Wörter zum Schluss… ich hab’s auch bemerkt. Egal, ich hoffe dir hat’s trotzdem gefallen!

 

Alles Liebe, deine

Antje

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Bilder auf dieser Seite (von oben nach unten und von links nach rechts):

Bild 1: © Gerhard Seybert / fotolia.com – Bild-Nummer: 23564315

Bild 2: © Daniela Jakob / f-wie-foto.com

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